Lystrosaurus

Lystrosaurus
Lystrosaurus
Klassifizierung
Dicynodontier
Größe
ca. 1 m
Fundort
Antarktis, Südafrika, Asien, Europäisches Russland
Zeitalter
Oberperm bis Untertrias (vor 255 - 245 Mio. Jahren)
Ernährung
Pflanzenfresser
Lystrosaurus war einer der häufigsten und am besten bekannten Dicynodontier und Nicht-Säugetier-Therapsiden überhaupt. Seine Fossilien wurden in Antarktika, Südafrika, Asien und dem Europäischen Russland gefunden, zur Zeit, als es auf der Erde nur einen einzigen großen Superkontinent gab, Pangaea. Ursprünglich nahm man wegen der weit oben im Schädel liegenden Augen und Nasenlöcher an, dass Lystrosaurus wie die Flusspferde amphibisch lebte. Heute geht man eher von einer vollterrestrischen Lebensweise aus. Da diese Gattung im späten Perm äußerst erfolgreich war, hatte Lystrosaurus das Massenaussterben der Perm-Trias-Grenze überlebt, und war in der Untertrias der am häufigsten vorkommende Pflanzenfresser in ganz Pangaea. Lystrosaurus war möglicherweise gleichwarm, die Gliedmaßen waren zum Teil aufrecht. Allerdings legte er noch Eier, was typisch für alle Nicht-Säugetier-Therapsiden war.
Fossilien von Lystrosaurus wurden in Südafrika, der Antarktis, Asien und dem europäischen Russland gefunden, die alle vom Oberperm bis in die Untertrias datieren. Ein Dutzend Arten sind bisher beschrieben worden. Die ersten Fossilien der Typusart, L. murrayi, wurden in Antarktika (Fremouw Formation) gefunden.
Merkmale
Lystrosaurus war mittelgroß und stämmig gebaut und erreichte die Größe eines Schweins. Er hatte eine kurze Schnauze, die nach unten gerichtete war und in einen Hornschnabel endete. Darüber hinaus war die Schnauze, abgesehen von zwei Hauern im Oberkiefer, zahnlos. Während man früher wegen der weit oben liegenden Augen und Nasenlöcher eine semiaquatische Lebensweise vermutete, geht man heute von einer terrestrischen Lebensweise aus. Lystrosaurus lebte möglicherweise in ariden Gebieten und suchte dort nach Nahrung. Die breiten Vorderfüße seien zum Graben geeignet, mit dem Schnabel pickt er Pflanzen auf.
Untersuchungen der Wachstumsringe von fossilen, aus der Antarktis stammenden Zähnen belegen, dass Lystrosaurus zumindest ein Vorstadium des Winterschlafs gehalten haben, um die kalte Jahreszeit besser zu überstehen. Es wurde außerdem festgestellt, dass Lystrosaurus, ähnlich wie die heutigen Säugetiere, warmblütig war.

Fossiles Ei von Lystrosaurus mit Rekonstruktion eines Embryos
Lystrosaurus war eierlegend. Im April 2026 wurde der Fund eines Fossils eines Lystrosaurus-Embryosin einer eng zusammengerollten Haltung publiziert. Die Eierschale ist nicht erhalten, daher vermutet man, dass Lystrosaurus und andere Therapsiden weiche, ledrige Eier legten. Die ovipare Fortpflanzungsweise ist wahrscheinlich eine Plesiomorphie aller Nicht-Säugetier-Synapsiden.
Arten

Lebendrekonstruktion von Lystrosaurus murrayi
Lystrosaurus war eines der wenigen Tiere, das die Perm-Trias-Grenze überlebte und war in der darauffolgenden Untertrias, in der nur wenige Lebewesenarten lebten, das dominierende herbivore Landwirbeltier.
Zwölf Arten werden derzeit beschrieben:
- Lystrosaurus murrayi (Typ)
- Lystrosaurus curvatus
- Lystrosaurus declivis
- Lystrosaurus georgi
- Lystrosaurus hedini
- Lystrosaurus mccaigi
- Lystrosaurus oviceps
- Lystrosaurus platyceps
- Lystrosaurus rajurkari
- Lystrosaurus robustus
- Lystrosaurus shichanggouensis
- Lystrosaurus weidenreichi

Farbig gestellte paläobiogeographische Verbreitungsgebiete des Superkontinents Gondwana verschiedener Lebewesen. Orange: Cynognathus lebte in Afrika und Südamerika. Blau: Mesosaurus lebte in Afrika und Südamerika. Grün: Glossopteris lebte in Afrika, Südamerika, Madagaskar, Indian, Antarktika und Australien. Braun: Lystrosaurus lebte in Antarktika, Afrika, Indien und Madagaskar.
Dass es verschiedene Arten von Lystrosaurus gab, zeigten auch die Verbreitungsgebiete. Man nimmt an, dass Lystrosaurus sowohl im Oberperm als auch in der Untertrias geographisch weit verbreitet war, denn Fossilien wurden in Antarktika, dem südlichen Afrika, Asien, dem europäischen Russland und möglicherweise auch in Australien und Madagaskar gefunden. Für die Gondwana-Hypothese sprechen außerdem die Funde von Cynognathus, eines Cynodontiers in Afrika und Südamerika, Mesosaurus, einem urtümlichen Wasserreptil in Afrika und Südamerika, und Glossopteris, ein Samenfarn, dessen Blätter in Afrika, Australien, Antarktika, Südamerika, Indien und Madagaskar gefunden wurden.
Lebensweise

Rekonstruiertes Skelett von Lystrosaurus murrayi
Lystrosaurus war mit ziemlicher Sicherheit ein Pflanzenfresser. Im Oberperm ernährte er sich von Farnen und Wurzeln, in der Untertrias auch von Samenpflanzen. Die langen Eckzähne der Männchen wurden eventuell zu Kämpfen gegen Artgenossen eingesetzt. Lystrosaurus legte Eier, die ledrig und weich waren. Man nimmt an, dass Lystrosaurus, wie andere Dicynodontier, gleichwarm war.
Die Jungtiere von Lystrosaurus gingen wahrscheinlich alleine auf Nahrungssuche. Sie waren voll entwickelt, im Gegensatz zu juvenilen Säugetieren.
Paläoökologie
Im Oberperm lebte Lystrosaurus mit verschiedenen anderen Therapsiden, darunter Dicynodontiern wie Oudenodon, Dicynodon und Endothiodon, Gorgonopsiden wie Gorgonops und Inostrancevia, Therocephalen der Gattungen Euchambersia, Moschorhinus und Megawhaitsia, dem basalen Cynodontier Procynosuchus und dem Biarmosuchier Burnetia. Die Dinocephalier waren zu dieser Zeit bereits verschwunden, ebenso wie varanopide und caseamorphe Pelycosaurier. Aber auch die Pareiasaurier wie Pareiasaurus und Scutosaurus, Archosauromorphen wie Protorosaurus und Archosaurus, einige Procolophoniden sowie der urtümliche Neodiapsid Coelurosauravus waren Zeitgenossen von Lystrosaurus, ebenso wie das Amphibium Rhinesuchus und der Samenfarn Glossopteris.
In dr Perm-Trias-Grenze starben alle Gorgonopsiden, Pareiasaurier, Biarmosuchier und Samenfarne aus. Die meisten anderen Dicynodontier, Therocephalen und nicht-capitosauride Temnospondylier waren ebenfalls schwer betroffen. Die Archosauromorphen und Cynodontier wurden jedoch zu den dominanten Fleischfressern der Untertrias.
In der Untertrias war Lystrosaurus der dominante Pflanzenfresser. Samenpflanzen kamen noch spärlich vor, wurden jedoch Millionen Jahre später dominant. In der Untertrias lebte Lystrosaurus mit dem Therocephalier Microgomphodon, Cynodonten wie Thrinaxodon und Cynognathus sowie einer Reihe fleischfressender Sauropsiden, etwa Proterosuchus, Erythrosuchus, Euparkeria sowie eine Reihe eidechsengroßer Neodiapsiden. Temnospondyle Amphibien waren durch Capitosaurier vertreten.

Lystrosaurus cf. oviceps
Manchmal werden mehrere Lystrosaurus-Arten in engem Zusammenhang zueinander gefunden. Dies gilt vor allem dann, wenn zwei bis fünf Lystrosaurus-Arten in Gondwana lebten, insbesondere aber im südlichen Afrika. Dass mehrere Lystrosaurus-Arten in der Untertrias der Lystrosaurus Biozone zeitgleich existieren, liegt daran, dass alle Lystrosaurus-Arten ihre jeweils eigene Nische besitzen. Einige dürften sich überwiegend von Moosen ernährt haben, andere von Farnen und wieder andere von farnähnlichen Samenpflanzen. Einige Arten überstehen außerdem den Winter, indem sie während dieser Jahreszeit nicht fressen, sondern sehr lange schlafen. Dies ist eine primitive phase des Winterschlafs, der heute unter anderem bei Igeln, Fledermäusen und Bilchen vorkommt.
Fossile Vorkommen von Lystrosaurus

Lystrosaurus, Schädel im chinesischen paläozoologischen Museum
Lystrosaurus war geographisch sehr weit verbreitet, man hat zwölf Arten in Antarktika, Südafrika, Madagaskar, Asien und dem europäischen Russland gefunden. Alleine in Südafrika lebten Lystrosaurus curvatus, Lystrosaurus platyceps, Lystrosaurus oviceps, Lystrosaurus maccaigi, Lystrosaurus murrayi und Lystrosaurus declivis. Diese sechs Arten lebten in engem Kontakt zueinander und hatten ihre jeweils eigene Nische. In Afrika lebten Lystrosaurus murrayi und Lystrosaurus declivis nur in der Trias.
Fossilfunde außerhalb Afrikas
Lystrosaurus murrayi, Lystrosaurus curvatus und Lystrosaurus maccaigi wurden auch in der Antarktis gefunden. Dies lässt darauf schließen, dass Antarktika während der Trias eng mit Afrika und Indien verbunden war.
Lystrosaurus georgi lebte im europäischen Russland und existierte dort zusammen mit Therocephaliern, Ur-Cynodonten, temnospondylen Amphibien und wenigen Reptilien. Lystrosaurus murrayi und zwei unbeschriebene Arten stammen aus der Panchet Formation in Indien, ebenfalls Teil von Gondwana. Sieben Lystrosaurus-Arten stammen aus China, obwohl nur die Art Lystrosaurus hedini gültig sein kann.
Lystrosaurus und die Perm-Trias-Grenze

Schädel von Lystrosaurus aus der Untertrias (Indusium) von China; dies war eine der wenigen Lebewesengattungen, die die Perm-Trias-Grenze überstanden hatte
Die Frage, wieso es zumindest einige Therapsiden gab, die die Perm-Trias-Grenze überlebten, und vor allem die Gattung Lystrosaurus, lässt vermutlich darauf schließen, dass sie nachtaktiv waren. Über das genaue Aktivitätsmuster von Lystrosaurus und Dicynodonten allgemein ist nicht bekannt. Man nimmt allerdings an, dass Lystrosaurus möglicherweise auch nachts zur Nahrungssuche ging. Eine andere These lässt darauf schließen, dass es außergewöhnlich viele Lystrosaurier im jüngsten Perm gab, unmittelbar vor dem "Großen Sterben". Die vielen Lystrosaurier lassen darauf führen, dass nicht alle Lebewesen überhaupt ausstarben.
Eine dritte Möglichkeit besteht vermutlich darin, dass Lystrosaurus für längere Zeit ohne Nahrung überleben konnte. Dies wird oft im Zusammenhang zu der zweiten Möglichkeit gebracht. Während der Perm-Trias-Grenze gab es kaum Nahrung für die Pflanzenfresser. Darüber hinaus waren die Lystrosaurus-Arten im Perm durchschnittlich kleiner als in der frühen Trias. Dies spricht auch dafür, dass Dicynodonten im Laufe ihrer Entwicklung zunehmend größer wurden. Eine fünfte These spricht darin, dass Lystrosaurus gut mit dem Massenaussterben zurecht kam und konnte ab der frühen Trias viele Nachkommen erzeugen, von denen einige deutlich größer und schwerer wurden. Diese großen Nachkommen waren so groß, dass man nicht mehr von Lystrosauriern spricht, sondern eher von Kannemeyeriformen.
Kategorie: Synapsiden
