Dicynodontia

Skelett von Placerias
Die Dicynodontia waren pflanzenfressende Synapsiden, die ihre Blütezeit vom mittleren Perm zum Unterjura hatten. Auf dem australischen Kontinent überlebten sie bis zur Unterkreide.
Merkmale und Entwicklungsgeschichte
Vertreter der Dicynodontia sind auf vielen Kontinenten zu finden. Man besagt, dass Vertreter dieser Tiergruppe weltweit verbreitet waren. Dies spricht für die Pangaea-Hypothese. Der Superkontinent Pangaea existierte schon zur Zeit, als es zahlreiche Therapsiden gab, darunter auch die Dicynodontia. Ihr Rumpf war fassförmig, die Beine waren verglichen mit der Körpergröße kurz. Sie konnten sich nicht schnell fortbewegen. Ihr Schwanz war, ungewöhnlich für Reptilien, sehr kurz. Ihr zahnloses Maul endete in einem Hornschnabel. Die einzigen beiden Zähne der Dicynodontia waren zwei Hauer, die bei den Männchen verlängert waren und eine Stoßwaffe waren (daher auch der Name: Dicynodontia = "Zwei-Hundezähner"). Die meisten Dicynodontia waren etwa bärengroß, die größten erreichten die Ausmaße heutiger Flusspferde. Die kleinsten Vertreter, wie etwa Diictodon, waren dagegen nur so groß wie Katzen und legten Erdbaue an.
Die frühen Dicynodontier der Gattungen Eodicynodon und Diictodon waren mit 30 cm wenig kleiner als Katzen. Sie lebten vermutlich in unterirdischen Gängen und hatten viele natürliche Feinde wie die Gorgonopsiden. Sie waren hinsichtlich ihrer Größe den größeren und massigeren Titanosuchia unterlegen und noch nicht die vorherrschenden Pflanzenfresser ihrer Zeit. Im Oberen Perm nahmen sie erstmals an Körpergröße zu und wurden neben den Pareiasauriern zu wichtigen Bestandteilen ihres Ökosystems. Nur wenige Gattungen überlebten die Perm-Trias-Grenze vor 251 Mio. Jahren, die über 90 % aller Lebensformen der Erde auslöschte, darunter so bedeutende Fossilien wie die Trilobiten im Meer und die Pareiasaurier an Land. Unter den überlebenden war unter anderem die geographisch weit verbreitete Gattung Lystrosaurus.
In der Trias durchliefen einige Gruppen der Dicynodontia wieder eine adaptive Radiation. So entstanden Arten mit deutlich massigeren Körpern, darunter die Kannemeyeriidae und die Stahleckeriidae. Von den triassischen Dicynodontiern war der in Herden lebende Lystrosaurus einer der kleinsten und war etwa so groß wie seine Vorfahren aus dem Perm. Sehr viel größer hingegen waren Kannemeyeria aus der Mitteltrias von Südafrika und Placerias aus der Obertrias von Nordamerika. Letzterer erreichte eine Körperlänge von 3,5 Metern und wurde eine Tonne schwer. Äußerlich ähnelte Placerias einem gedrungenen Flusspferd mit Hornschnabel und zwei großen Hauern. Lystrosaurus war in der frühen Trias die dominierende Gattung pflanzenfressender Wirbeltiere an Land. Die Entwicklung der größeren Dicynodontier gipfelte ebenfalls in der Obertrias mit Lisowicia, einer Riesenform aus Polen. Diese Gattung wurde etwa so groß wie ein heutiger Afrikanischer Elefant und hatte auch an Gewicht zugenommen. Lisowicia war damit etwas größer als die Dinosaurier, die etwa zur gleichen Zeit lebten.
Im Gegensatz zu ihren Vorfahren aus dem Perm mussten sich die triassischen Dicynodontier vor Archosauriern in Acht nehmen. Zu diesen Archosauriern zählten insbesondere große Rauisuchier wie Postosuchus oder auch der Archosauriform Proterosuchus. Möglicherweise waren den Dicynodontiern der Trias schon sogar die frühen und damals noch kleinen Dinosaurier wie Coelophysis oder nicht-mammale Cynodontier wie Cynognathus gefährlich, denn man nimmt an, dass diese in Rudeln jagten. Allerdings wären sie als Herdentiere keine leichte Beute gewesen. Kurz nach Beginn des Jurastarben sie dennoch allmählich aus, als pflanzenfressende Cynodontier und vor allem pflanzenfressende Dinosaurier an Bedeutung gewannen.
Der jüngste mögliche Nachweis ist ein Schädelknochen aus Australien, der aus einer Formation der Rolling Downs Gruppe stammt. Nach neueren Untersuchungen stellte sich jedoch heraus, dass dieses Fossil aus einer noch unbenannten Formation aus dem Pleistozän gehört und darüber hinaus nicht zu einem Dicynodontier, sondern zu einem Diprotodontiden.
Felszeichnungen im Karoo Hauptbecken, die Tiere mit nach unten gerichteten großen Hauern zeigen, könnten im Zusammenhang mit den zahlreichen Fossilfunden von Dicynodontiern in dieser Region stehen. Die Abbildungen gehen auf die San zurück und entstanden möglicherweise in den 1830ern. Demnach hätten die San die Fossilien als Restevon ausgestorbenen Lebewesen erkannt und diese in ihr mythologisches Weltbild integriert. Die erste Beschreibung durch einen westlichen Forscher passierte dagegen 1845.
Systematik
Mehrere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass sowohl die Dicynodontia als auch alle Untergruppen mit großer Wahrscheinlichkeit monophyletisch sind. Die größte Unsicherheit besteht bei der Zuordnung der Gattung Australobarbarus zu den Dicynodontia, der aber auch als basaler Anomodontia angesehen werden kann. Nichtsdestotrotz sind alle anderen Zuordnungen klar.

Diictodon

Dicynodon

Lystrosaurus
- Dicynodontia
- Eodicynodon
- Endothiodon
- Kingoria
- Diictodontoidea
- Robertia
- Emydops
- Diictodon
- Cistecephalus
- Kawingasaurus
- Myosaurus
- Pristerodontia
- Pristerodon
- Oudenodon
- Aulacephalodon
- Dinanomodon
- Dicynodon
- Lystrosaurus
- Kannemeyeriidae
- Shansiodon
- Tetragonias
- Vincera
- Kannemeyeria
- Stahleckeria
- Elephantosaurus
- Zambiasaurus
- Placerias
- Ischigualastia
- Lisowicia
Kategorie: Synapsiden
