Sphenacodon

Sphenacodon
Sphenacodon
Klassifizierung
Sphenacodontiden
Größe
ca. 3 m
Fundort
Nordamerika
Zeitalter
Oberkarbon bis Unterperm (vor 300 bis 270 Mio. Jahren)
Ernährung
Fleischfresser
Sphenacodon war ein Sphenacodontier und zugleich der namensgebende Vertreter sowohl der Gruppe als auch der Familie Sphenacodontidae. Sphenacodon war kräftig gebaut und hatte einen großen Schädel mit einem heterodonten Gebiss. Er hatte noch kein Rückensegel, sondern einen kurzen Rückenkamm mit verlängerten Wirbelfortsätzen. Außerdem zeigte dieser Pelycosaurier, dass der Schädel zunächst säugetierähnlicher wurde, und davon erst die Zähne. Man vermutet, dass Sphenacodon einer der beiden Spitzenprädatoren des Unterperms in Nordamerika war, zusammen mit dem bekannteren Dimetrodon. Er jagte unter anderem Edaphosaurier und Diadecten. Zur Jagd benutzte er seine Zähne als Waffe zum Abtöten der Beute. Gelegentlich fraß er auch Aas.
Fossilien von Sphenacodon stammen überwiegend aus New Mexico, wenige Funde stammen auch von Utah und Arizona. Heute kennt man zwei Arten: die Typusart Sphenacodon ferox, welches rund zwei Meter lang wurde, und die einen Meter größere Art Sphenacodon ferocior. Die letztgenannte Art hatte höhere Wirbelfortsätze als die erstgenannte. Beide Arten lebten im Oberkarbon, im Unterperm lebte dagegen nur Sphenacodon ferox.
Beschreibung

Schädel von Sphenacodon
Insgesamt ähnelt der Schädel von Sphenacodon dem des bekannteren Dimetrodon. Er war schmal von einer Seite zur anderen, vertikal jedoch breiter. Am vorderen Teil der Maxillare des Oberkiefers befand sich eine Einbuchtung. Die Schneidezähne von Sphenacodon waren scharf, große, dolchartige Eckzähne und kleinere Backenzähne waren ebenso vorhanden. Die Orbita lag hochund weit hinten mit einem einzelnen Temporalfenster, wie bei allen Synapsiden auch.

Skelettrekonstruktion von Sphenacodon
Auch sein Äußeres ähnelte dem von Dimetrodon: Der Kopf war sehr groß, der Hals war kurz, der Rumpf war robust und die Vorder- und Hintergliedmaßen waren verhältnismäßig kurz, ein Schwanz war sich verjüngend der ungefähr die Hälfte der Körperlänge des Tieres ausmachte. Jedoch besaß Sphenacodon nicht die verlängerten Wirbelfortsätze von Dimetrodon, die ein Rückensegel bildeten, sondern lediglich einen kleinen Rückenkamm. Darüber hinaus war es abgeflacht. Die nahe verwandte Gattung Ctenospondylus hatte ebenfalls verlängerte Doronfortsätze, die zwar länger als bei Sphenacodon waren, aber kürzer als bei Dimetrodon.
Ein möglicher Grund, warum Sphenacodon einen kürzeren Rückenkamm als Dimetrodon besaß, ist das relativ kühle Klima im Verbreitungsgebiet dieser Gattung. Eine stark ausgeprägte epaxiale Muskulatur war am Rückenkamm von Sphenacodon vorhanden. Er diente im Gegensatz zu Dimetrodon nicht zur Thermoregulation, da der Rückenkamm noch zu klein war, um das Tier abkühlen zu lassen. Sowohl Sphenacodon als auch Dimetrodon hatten die kurzen Gliedmaßen in einem Winkel von 90 Grad vom Körper abgespreizt. Schwanz und Bauch beider Tiere schleiften wie bei modernen Echsen und Krokodilen über den Boden. Dies belegen auch Fußspuren von Dimetropus, die höchstwahrscheinlich von großen Sphenacodontiden verursacht worden sind. Solche Dimetropus-Fußspuren finden sich sowohl in Deutschland (Bromacker) als auch in New Mexico (Prehistoric Trackways National Monument). Diese Fußspuren können wegen der geringen Größe des Tieres zu Sphenacodon passen.

Lebendrekonstruktion von Sphenacodon
Das Hueco-Meer trennte die Verbreitungsgebiete von Sphenacodon und Dimetrodon und befand sich etwa im östlichen New Mexico. Man nimmt daher an, dass Sphenacodon der Spitzenprädator der Abo und Cutler Formationen war, während Dimetrodon das Spitzenraubtier in den Texas und Oklahoma Red Beds war. Zur Beute beider "Pelycosaurier" zählten unter anderem Amphibien, Diadecten, frühe Synapsiden und sogar frühe Diapsiden. Sphenacodon starb vor etwa 280 Millionen Jahren aus, als es erste Dimetrodon-Fossilien im Verbreitungsgebiet von Sphenacodon gab. Somit überlebte Dimetrodon bis vor etwa 270 Millionen Jahren, als sich das Meer über den ganzen nordamerikanischen Kontinent ausbreitete. Ein anderer Grund, warum Dimetrodon ausstarb, könnte mit der Überlegenheit der Therapsiden durchgehen. Die meisten Therapsiden des nachfolgenden Mittelperms lebten jedoch nicht in Deutschland oder Nordamerika, sondern in Osteuropa und Südafrika, außerhalb des Verbreitungsgebiets von Dimetrodon.
Entdeckungsgeschichte und Klassifikation
Entdeckungsgeschichte

Lebendrekonstruktion zweier Exemplare von Sphenacodon
1878 wurde Sphenacodon erstmals von Othniel Charles Marsh anhand eines Unterkieferknochens beschrieben. Dieses wurde zuvor von dem Fossiliensammler David Baldwin im Rotliegend des Nordens von New Mexico gefunden. Der Name Sphenacodon bedeutet etwa so viel wie "Keilpunkt-Zahn". Der Kieferknochen wurde sehr kurz beschrieben. Marsh führte hier die zusammengedrückten Kronen der Backenzähne und ihre "sehr scharfen Schneidekanten ohne Zinnen" an und folgerte, dass das Tier ungefähr 2 Meter lang gewesen sein musste und ein Fleischfresser war. Der Rest des Skeletts war zu dieser Zeit noch unbekannt. Marsh fertigte außerdem eine Skizze des Exemplars an. Die Typusart war Sphenacodon ferox. Ursprünglich wurde Sphenacodon, wie fast alle Gruppen früher Reptilien, innerhalb der Rhynchocephalia eingeordnet, die heute nur noch die Brückenechse (Sphenodon) umfasst.
Andere Paläontologen schenkten Marshs kurzer Erwähnung von Sphenacodon für fast drei Jahrzehnte keine Beachtung. Sein Verwandter Dimetrodon, das ebenfalls 1878 von Marshs Rivalen Edward Drinker Cope beschrieben wurde, benannt worden war, wurde wegen der außergewöhnlich vielen Fossilfunde zu einer wissenschaftlich wichtigen Gattung. Erst im frühen 20. Jahrhundert fand man heraus, dass Sphenacodon ein Fleischfresser mit niedrigem Rückenkamm war. Zu dieser Zeit wurden mehr Fossilien dieser Gattung in New Mexico gefunden.

Lebendrekonstruktion der zwei Arten von Sphenacodon: Sphenacodon ferocior ist größer als Sphenacodon ferox.
1937 benannte Alfred Sherwood Romer eine zweite Art aus New Mexico: Sphenacodon ferocior. Die neue Art hatte einen noch robusteren Eindruck als die Typusart und wurde deshalb so benannt. Romer und Price lieferten 1940 detaillierte Beschreibungen sowohl von S. ferox als auch von S. ferocior mit Skelettrekonstruktionen.
Auch eine dritte Art wurde beschrieben, Sphenacodon britannicus, basierend auf einem Oberkiefer aus England. Diese Art wurde der Gattung Oxyodon geführt. Allerdings war der Gattungsname zuvor an eine Fischgattung vergeben, somit ist Oxyodon britannicus ungültig. Zuvor wurde er als triassischer Dinosaurier erachtet, heute sieht man in ihm einen "Pelycosaurier". Heute wird diese Art als möglicher Sphenacodontidae indet. geführt.
Klassifikation
Innerhalb der Synapsiden zählt Sphenacodon zu den Sphenacodontidae. Er ist die Typusgattung sowohl der Sphenacodontidae als auch einer größeren Gruppe, die Sphenacodontia. Schwestergattung von Sphenacodon ist der bekanntere Dimetrodon mit einem Rückensegel.
Zwei Arten werden derzeit anerkannt:
- Sphenacodon ferox (Typ)
- Sphenacodon ferocior
